Borgia


Borgia
Borgia
 
['bɔrdʒa, italienisch], Borja ['bɔrxa, spanisch], aus Spanien stammendes Adelsgeschlecht, ursprünglich in Valencia und Játiva ansässig, kam Anfang des 15. Jahrhunderts nach Italien; ihm gehörten die Päpste Calixtus III. und Alexander VI. an, deren Nepotismus die Borgias Reichtum und Einfluss verdankten. 1748 starb das Geschlecht aus.
 
 
M. Mallett: The B.s (London 1969);
 S. Schüller-Piroli: Die B.-Dynastie (1982);
 I. Cloulas: Die B.s. Biogr. einer Familiendynastie (a. d. Frz., Zürich 31993).
 
Weitere Vertreter:
 
 1) Cesare, italienischer Renaissancefürst, * Rom im September 1475, ✝ (gefallen) Viana (Provinz Navarra) 12. 3. 1507, Sohn Papst Alexanders VI. und der Römerin Vannozza Cattanei, Bruder von 3); von seinem Vater zunächst für die geistliche Laufbahn bestimmt und zum Erzbischof von Valencia (1492) und Kardinal (1493) ernannt; verzichtete nach dem Tod seines Bruders Giovanni (Juan, * um 1474, ermordet 1497, Mittäterschaft Cesares nicht bewiesen) auf die geistlichen Ämter und begann in enger Abstimmung mit seinem Vater eine militärische und politische Karriere. 1498 erhielt er von Ludwig XII., der den Papst für die französische Eroberungspolitik in Italien gewinnen wollte, die zum Herzogtum erhobene Grafschaft Valentinois und führte seitdem den Beinamen »duca Valentino«; 1499 heiratete er Charlotte d'Albret von Navarra, eine Nichte des französischen Königs. Als dieser den Kampf um Mailand und Neapel wieder aufnahm, begleitete Borgia ihn nach Italien, eroberte 1499/1500 mit französischer Hilfe Imola und Forlì und unterwarf fast die gesamte Romagna, zu deren Herzog er sich proklamierte. Als »Gonfaloniere« der Kirche gewann er 1501 Rimini und Pesaro, durch Verrat Faenza und ließ Piombino und Elba besetzen. Er kämpfte für Ludwig XII. in Neapel, besetzte Teile der Marken und Umbriens und legte sich als weiteren Herzogstitel den von Urbino zu. Ziel der Unternehmungen war die Bildung eines mittelitalienischen Königreichs. In den unter ihm vereinigten Teilstaaten begann er schon mit einer Verwaltungsreform. Doch der Tod Alexanders VI. am 18. 8. 1503 bedeutete Borgias Sturz. Papst Julius II. hielt ihn von November 1503 bis April 1504 in Haft und erzwang die Rückgabe seiner Eroberungen. Nach seiner Flucht in Neapel ehrenvoll aufgenommen, wurde er auf Befehl Ferdinands II., des Katholischen, (und auf Wunsch Julius' II.) als Gefangener nach Spanien gebracht. 1506 konnte er zu seinem Schwager, dem König von Navarra, fliehen und fiel bald darauf in dessen Diensten.
 
Borgia, der skrupellose (er soll bei mehreren Morden die Hand im Spiel gehabt haben), machtbewusste Renaissancefürst von glänzender persönlicher Ausstrahlung, für den große Künstler (u. a. Leonardo da Vinci als Festungsingenieur) arbeiteten, diente N. Machiavelli als Vorbild des idealen Fürsten in seinem Werk »Il principe«.
 
 
S. Bradford: C. B. (a. d. Engl., Neuausg. 1981).
 
 2) Francisco, spanisch-italienischer Theologe, * Gandía (Provinz Valencia ) 28. 10. 1510, ✝ Rom 30. 9./1. 10. 1572; väterlicherseits Urenkel Papst Alexanders VI., mütterlicherseits König Ferdinands II. von Aragonien; wuchs bei seinem Onkel, Erzbischof Juan de Aragón, in Saragossa auf; trat 1528 in den Hofdienst Karls V.; erbte 1543 von seinem Vater das Herzogtum Gandía; trat verwitwet 1546 in die Gesellschaft Jesu ein und verzichtete nach seiner Priesterweihe (1551) auf seine weltlichen Ämter; wurde 1565 Generaloberer der Jesuiten und förderte als solcher besonders die Ausdehnung des Jesuitenordens in Mittel- und Südamerika. Heiliger (Tag: 10. 10.). - F. Borgia ist die Titelfigur in Calderón de la Barcas Schauspiel »El gran duque de Gandía«.
 
 
O. Karrer: Der hl. Franz von Borja, General der Gesellschaft Jesu, 1510-1572 (1921).
 
 3) Lucrezia, italienische Fürstin, * Rom 18. 4. 1480, ✝ Ferrara 24. 6. 1519, Tochter Papst Alexanders VI. und der Römerin Vannozza Cattanei, Schwester von 1); ihre Eheschließungen wurden von Vater und Bruder nach der jeweiligen politischen Interessenlage arrangiert. Ihre Ehe mit Giovanni Sforza (1492 geschlossen) wurde 1497 annulliert. Ihr zweiter Mann, Alfonso de Aragón, Herzog von Bisceglie, ein unehelicher Sohn König Alfons' II. von Neapel, starb 1500 an den Folgen eines wohl von Cesare Borgia angestifteten Attentats. In dritter Ehe war sie seit 1501 mit Alfonso I. d' Este (Este), Herzog von Ferrara, vermählt. Sie zog namhafte Dichter, Künstler und Wissenschaftler (u. a. L. Ariosto, P. Bembo, Tizian) an den Hof von Ferrara. Ihr die Jahrhunderte überdauernder schlechter Ruf entstand durch zeitgenössischen Verleumdungen.
 
 
F. Gregorovius: L. B., 2 Bde. (1874, Neuausg. 1984).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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